Beijing 8.-15. Juni 2014

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Ein Blick in ein typisches, altchinesisches Seitengässli

„Gross, laut, dreckig und voller Gegensätze“– das ist meine Antwort auf die mir (verständlicherweise) oft gestellte Frage, wie es denn ich China gewesen sei. Natürlich ist diese Aussage etwas überspitzt formuliert. Aber im direkten Vergleich mit unseren schönen Schweiz scheint sie mir absolut zutreffend, obschon dieser Vergleich vielleicht etwas gar extrem ist. Die ersten zwei Tage musste ich mich aber schon daran gewöhnen, dass die Autohupe dominanter ist weder jede Verkehrsregel. Und dass man als Fussgänger im Strassenverkehr das Letzte ist, auf das Rücksicht genommen wird. Andere Länder, andere Sitten dachte ich mir. Und das ist ja genau das, was den Reiz einer Reise in ein solches Land im Endeffekt auch ausmacht. Und man akzeptiert solche Gegebenheiten, wie sie sind und versucht sich auch ein Stück weit anzupassen. Dass man aber bei jeder möglichen Gelegenheit auf den Boden ‚choderet‘ oder auch, wie bei Einheimischen ebenfalls üblich, bei rot einen stark befahrenen, 70 Meter langen Fussgängerstreifen überquert und dabei Kopf und Kragen riskiert- das muss beim besten Willen nicht sein. Hier habe ich im www einen wunderbar geschrieben, in bunten Sätze verpackter Reisebericht gefunden, dessen Eindrücke ich von Beijing nur unterstreichen kann.

Ich war also absolut froh darüber, dass mich mein dort wohnhafter Kollege Namens Subi bereits früh Morgens nach meiner Landung am ‚Beijing Capital International‘ Airport empfing. Zum guten Glück unterschied sich sein Aussehen dank seiner uigurischen Abstammung gut von den anderen tausend Chinesen, die am Flughafen auf Freunde und Verwandte warteten- denn wir hatten uns schliesslich knapp sechs Jahre nicht  mehr gesehen…! 🙂 Ihr könnt euch vorstellen- die Freude über unser Wiedersehen war riesig!

Bereits am ersten Tag erkundeten wir gemeinsam die Strassen und Gassen Chinas. ‚Jetzt bloss nicht schlafen gehen, sonst wirst du den Jetlag nie los‘- das seine Worte auf meine ersten „Gähn-Attacken“.

Rivella blau und ein Mozzarella-Sandwich im 'Café Konstanz' in Peking

Rivella blau und ein Mozzarella-Sandwich im ‚Café Konstanz‘ in Peking

Es dauerte nicht lange, hatte uns davon dann auch schon  der Hunger geplagt. Wir suchten die nächst beste Gelegnheit, um uns zu stärken. Meinem Bauchgefühl zufolge war es kein Zufall, dass wir plötzlich in einem kleinen Restaurant mit ausschliesslich deutscher Kost  standen. Sogar Rivella blau im Glas-Fläschli stand zur Auswahl! Ich solle mich nur langsam an die chinesische Küche gewöhnen, meinte er.

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Chaoyang District- unser Viertel, wo ich die Woche durch wohnen durfte

Jeden Tag, den ich mit Subi in China verbringen durfte, war für mich ein kleines Abenteuer. Es sind nicht die vielen touristischen Sehenswürdigkeiten, die mich interessierten. Es war das jetzige, wirkliche Leben dort, was mir unter den Nägel brannte. Obwohl der Anblick der vielen engen sowie über und über mit irgendwelchem ‚Kram‘ überstellen, dunklen, feuchten Gassen mir zu beginn etwas gewöhnungsbedürftig erschien, gefielen mir diese zehn mal mehr, als die unmittelbar daneben stehenden, auf Hochglanz polierten Finanz-Viertel. In diesen altchinesischen Viertel sind nämlich die spannendsten Motive zu finden. Wie oft bin ich stehen geblieben, habe meine steht’s schussbereite Kamera ans Auge gehalten und abgedrückt? In den ersten Tagen eher zögerlich, dann aber immer wie unbefangener.

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Fuji x100s- die perfekte Kamera für Street Photography

Speziell dazu will ich geradezu erwähnt haben, dass mit vielleicht drei oder vier Ausnahmen  eigentlich alle Bilder mit der Fuji x100s und dementprechend ausschliesslich mit meiner geliebten 35mm Brennweite geschossen wurden. In meinen Augen die perfekte Kamera für Street Photography!

Es ist ja weltbekannt, dass in Beijing äusserst viel gebaut wird. Ich lernte kein einziges Viertel kennen, in dem man nicht irgendwo meterhohe Baukräne in den Himmel ragen sah. Alte oder schnell schäbig gewordene Bauten werden sofort abgerissen und binnen kurzer Zeit durch Neue ersetzt.

Besonders modern sind sogenannte SOHO’s, was soviel heisst wie „Small Office, Home Office“.

Fussballspielen inmitten hoher Häuserschluchten am Rande eines SOHO-Viertels

Fussballspielen inmitten hoher Häuserschluchten am Rande eines SOHO-Viertels

Das sind Megagebäudekomplexe, aus denen man sich nicht mehr herausbewegen muss. Ein ‚Alles in Einem‘ für Wohnen, Arbeiten und Freizeit, mit Ärzten, Fitnessanlagen, zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Kinos und Theatern. Das Jianwai SOHO war eines der ersten, es folgten das Chaowai SOHO, das Shangdu SOHO bei Dongdaqiao, das (ziemlich tote) Sanlitun SOHO (neben dem 2008 errichteten und anhaltend überbeliebten Sanlitun Village), und nun das Galaxy SOHO.

798 Art Zone

798 Art Zone

Besonders gut gefallen hatte mir die „798 Art Zone“. Der Kunstbezirk ‚Dashanzi‘ ist der informelle Name eines Teils der Einwohnergemeinschaft Dashanzi (大山子社区) im Straßenviertel Jiuxianqiao (酒仙桥街道) des Pekinger Stadtbezirks Chaoyang, in dem sich seit 1995 eine florierende Künstlergemeinschaft inmitten der Gebäude eines alten Fabrikgeländes im Bauhaus-Stil niedergelassen hat.

Das ehemals militärisch genutzte Gebiet ist so zu einem bunten Szenenviertel mit vielen Künstlerateliers und Galerien geworden. Häufig wird das Viertel auch Bezirk 798 oder Fabrik 798 bezeichnet, wobei dies im Grunde genommen nur eines der Gebäude des ehemaligen Fabrikenverbundes 718 ist. Der Komplex befindet sich zwischen den Verbindungsgassen 2 und 4 der Jiǔxiānqiáo Lù (酒仙桥路), südlich der Hochstraße Dàshānziqiáo (大山子桥).

Aber David!! 798 Art Zone

Aber David!! 798 Art Zone

Dort gab’s allerlei Schönes, Lustiges aber auch viel Skurriles zu sehen, wo man oft nicht recht wusste, was die Bedeutung dessen war. Auffallend auch, dass viele Amerikaner hier herum schlenderten, die man sonst eigentlich nicht so zu sehen bekam in Beijing.

So jetzt, genug geschrieben! Eigentlich möchte ich euch lieber ein paar persönliche Eindrücke in Form von Bilder zeigen, als einen Roman zu schreiben. Zuerst jetzt aber noch eine kleine Karte wo zeigt, wo wir uns grösstenteils bewegt haben und wo dann auch die Bilder entstanden sind. À propos Karte: ich konnte mich effektiv bis zum letzten Tag in dieser riesigen Stadt nicht orientieren, was mich manchmal zugegebenerweise etwas verzweifeln liess. Aber zum Glück hat man ein iPhone dabei, darauf installiert war Beijing Maps (und Subi musste es bedienen, weil alles auch chinesich war)  🙂

Also- nun wünsche ich euch viel Spass beim Bilder anschauen!

Auch noch spannend: so klingt Beijing

Übersichts-Karte

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2 Antworten zu Beijing 8.-15. Juni 2014

  1. Immer wieder interessant, was ein Neuling in Peking fotografiert! Danke! Weiterhin viel Spaß in China!
    LG
    Ulrike

  2. Pingback: So klingt Beijing- Nachtrag vom Reisebericht “Beijing Juni 2014″ | Kilian Disler

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